BONN 2021

Opernhaus

Preisträger und Preisträgerinnen 2021

Die Scorpions – Gänsehautfeeling im Opernhaus Bonn

Wer seine Gedanken zurück ins Jahr 1990 gleiten lässt, kommt an ihrer Hymne nicht vorbei: „Wind of Change“. Ein Lied für die Freiheit, für Wochen und Monate, die jedes persönliche Leben und die Gesellschaft veränderten. Über 50 Jahre stehen die Scorpions auf der Bühne, über 50 Jahre voller Hits. „Wind of Change“ scheint das bekannteste, aber der Hit „Rock You Like a Hurricane“ oder die Ballade „Still Loving You“ animieren bis heute hunderte Menschen zum Mitsummen und ‐singen, und das überall auf der Welt. Popularität ist für die Band allerdings nicht nur Krönung einer aufregenden Karriere, sondern auch Verpflichtung. Nämlich jener, sich für und mit der Gesellschaft zu engagieren. Für mehr Zivilcourage, gegen Krankheiten wie Krebs, für Musiktherapie, im Dienst der UNICEF. Im Opernhaus Bonn erhielten die Scorpions in Anerkennung für ihr mehr als fünf Jahrzehnte umfassendes Lebenswerk den Europäischen Kulturpreis 2021. Laudator Heinz Rudolf Kunze bescheinigte der Band, sich „ihre Popularität mit unbeugsamem Willen, Beharrlichkeit und Fleiß erspielt“ zu haben. In einem eigens neu erschaffenen Arrangement trat Frontsänger Klaus Meine gemeinsam mit dem Beethoven Orchester Bonn auf und sorgte beim Publikum für Gänsehautfeeling.

Tobias Moretti – in ganz Europa zu Hause

Grenzgänger zwischen den Welten: Kino, Fernsehen, Theater – eine Phalanx im Kosmos der Schauspielkunst. Zu Beethovens Musik rezitiert der Ausnahmeschauspieler aus Goethes „Egmont“ – ein faszinierender Balanceakt zwischen Sprache und Musik. Immer wieder neue Aufgaben bringen ihn in die Öffentlichkeit, ob am Salzburger Domplatz oder am Wiener Burgtheater. Unermüdlich begibt er sich in neue Rollen, unermüdlich lotet er neue Grenzen aus. Er zeigt die Seele seiner Figuren und gibt ihnen seinen Charakter mit auf den Weg. Ein wesentliches verbindendes Element in einem jahrzehntelangen Schaffen – auch, aber natürlich nicht nur in der ARD-Verfilmung der Beethoven-Biografie des letzten Jahres. ARD-Programmdirektorin Christine Strobl hob nicht nur seine großartigen Verdienste hervor, sondern lobte vor allem Moretti als politische Figur, die sich einmischt und auch unbequem sein kann. „Kunst und Künstler müssen frei sein“, sagte Strobl. Der Geehrte freute sich insbesondere über den europäischen Anspruch des Preises, denn „ich wünsche mir, dass Europa weiterhin als Synonym für Vielfalt wahrgenommen wird und nicht mehr nur das Synonym für den kleinsten gemeinsamen Nenner ist.“

Standing Ovation – die Bonner feiern ihr Orchester

In Bonn trat Dirk Kaftan die Stelle des Generalmusikdirektors mit dem Anspruch an, mit Beethoven zu neuen musikalischen Ufern aufzubrechen, das Publikum dabei fest im Blick. Genau das ist ihm mit dem Beethoven Orchester Bonn gelungen. In neu erschaffenen Arrangements traten gemeinsam mit dem Orchester – Preisträgerin Katie Melua, die Scorpions und Till Brönner auf. Geehrt wurde das Beethoven Orchester für seine partizipativen Konzepte. Laudator Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG, würdigte die Freude des Orchesters am Experimentieren mit neuen Formen der Musikvermittlung. „Schon Beethoven mahnte uns, dass Kunst immer nur an Kunst zu messen ist und nicht an Kommerz. Im wahrsten Sinne des Wortes müssen wir für sie etwas übrighaben.“

Diana Damrau ist die Königin der Nacht  

Die einzigartige Sopranistin Diana Damrau begeistert in Bonn das Publikum mit ihrer Paraderolle als Königin der Nacht, mit der sie sich auf allen internationalen Bühnen empfahl. „Ich bin sehr stolz, hier zu sein, weil Europa wie ein Orchester ein Vorbild sein sollte: zusammengesetzt aus verschiedensten Staaten und Denkweisen, aber kooperativ mit einem gemeinsamen Ziel“, so Damrau. „Wir müssen aus unserem europäischen ein globales Orchester machen!“ Ilona Schmiel, Intendantin der Tonhalle-Gesellschaft Zürich unterstrich in ihrer Laudatio die beispielhafte Leidenschaft, mit der Diana Damrau als Kulturbotschafterin Europas weltweit ein Millionenpublikum mit ihren Auftritten begeistert und damit in einem besonderen Maße zur kulturellen Verständigung in Europa und darüber hinaus beiträgt.

Till Brönner – ein ganz Großer seines Fachs 

Töne kristalliner Klarheit, größte Wichtigkeit für kleinste Nuancen, berauschende Virtuosität – all das macht Till Brönner zu einem der weltweit Besten seines Faches. In einem Interview sagte er einmal: „Musik ist ein Ausdruck dessen, wie man sich fühlt. Und sie ist fast so etwas wie ein Therapeut, der immer mit einem reist.“ Als Fotograf benutzt er eine ganz andere Art der Kunst, um in die Seelen der Menschen zu schauen. Das Bauen kultureller Brücken ist sein Markenzeichen: den inneren Zauber der Musik und der Kunst zum Strahlen zu bringen und damit Menschen zu erfreuen. Laudatorin Katarina Witt hob bei Till Brönner vor allem die Vielseitigkeit und seinen stimmstarken Einsatz für das Schicksal seiner Kunstkollegen in Zeiten der Pandemie hervor.

Katie Melua – eine Ausnahmesängerin mit ganz viel Herz

Wenn nach einem Synonym für Sinnlichkeit gesucht werden würde, fände man sehr schnell ihren Namen: Katie Melua. Leidenschaft und Zuneigung, aber auch Traurigkeit und Wut gehören in ihren Liedern zur Klaviatur der Gefühle. Niemals aufdringlich, immer berührend. Mit der Platte „In Winter“ sorgte sie 2016 für eine musikalische Sensation: eine Brücke zwischen West und Ost, ausgefallene Lieder mit dem Gori Women‘s Choir, einem Ensemble aus mehr als 20 ukrainischen Sängerinnen. „Katie Melua wird für ihre äußerst wandelbare und ganzheitliche Musikerpersönlichkeit ausgezeichnet, die helfe, die Spaltung in Europa zu überwinden“, sagte Laudator und Musikerkollege Leslie Mandoki.

Überraschungsgast für David Garrett

Er tritt auf wie ein Popstar, doch seine Heimat ist die klassische Musik: Scheinbar mühelos schlägt David Garrett die Brücke von Beethoven zu Michael Jackson. Als Virtuose der Violine lockt er in seine ausverkauften Tourneen auf riesigen Bühnen sehr viele Menschen, die mit Klassik zuvor fast überhaupt nichts anfangen konnten, und ebnet ihnen so den Weg in ein für sie bislang unbekanntes Gebiet der Musik. Damit darf man David Garrett ruhig als musikalischen Mauerstürmer bezeichnen, der die Grenzen zwischen den Genres einreißt. Gegen vielfältige Widerstände der Plattenindustrie setzt er seine Musik durch, bei der er Klassik mit Rock, Pop und Jazz verbindet. Der große Erfolg seines Crossover-Stils schlägt sich in seiner ungeheuren Popularität nieder. Nach einer berührenden Laudatio auf ihren Bruder erhält David Garrett seinen Preis aus den Händen seine Schwester Elena Marie Malischek.

Fair Fashion Preis geht an Barbara Meier

Mit lauter Stimme fragt Barbara Meier Textilindustrie wie Verbraucher, warum Kleidung in unserer Gesellschaft zu einem Wegwerfprodukt geworden ist. Als Botschafterin des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit setzt sich Barbara Meier öffentlichkeitswirksam für das Anliegen ein, Mode zu fairen Bedingungen für alle Menschen auf der Welt herzustellen. Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit Gerd Müller würdigte Model Barbara Meier als Preisträgerin dieses Jahres für ihr Engagement für ökologische und soziale Mindeststandards bei der Herstellung von Kleidung in Afrika und Asien. Die studierte Mathematikerin ist auch als Botschafterin des Bundesministeriums unterwegs und freute sich über die große Bühne für ihre Botschaft: „Mode ist eigentlich etwas sehr Schönes, aber auch eine sehr schmutzige Industrie, sowohl was den Müll angeht als auch die Sklaverei der Textilarbeiterinnen.“ Meier warb an diesem Abend daher für den Kauf von fair hergestellter Mode.

Gottfried Helnwein – Kunst ohne Regeln

Gottfried Helnwein ist einer der international erfolgreichsten Maler und Fotografen, ein Mann der Performance, des Bühnenbilds und der Installation. In der Wiener Albertina wird seine Ausstellung zu der meistbesuchten eines lebenden Künstlers. Er ist ein Künstler, der sich – gesellschaftliche Konventionen bezwingend – an Tabuthemen wagt und damit nicht nur einen inneren Diskurs in Gang setzt. Er ist einer, der die Ideale Beethovens teilt: stark, revolutionär, der Kunst verpflichtet, der Kunst widersprechend, die Kunst voranbringend. Der Europäische Kulturpreis für Bildende Kunst wurde an den Österreicher Gottfried Helnwein verliehen, der überall auf der Welt vielbesuchte, teils auch unbequeme Ausstellungen füllt. Er versprach dem Publikum, „trotz dem Preis weiterhin keine Regeln zu beachten und nur den Menschen verpflichtet zu bleiben“. Laudator Klaus Albrecht Schröder von der Wiener Albertina bescheinigte seinen Arbeiten, „häufig unterdrückte Kreaturen sichtbar zu machen und uns damit tief zu bewegen“.

Nico Rosberg – ohne Nachhaltigkeit keine Kultur

Was in Zukunft zum menschlichen Leben gehören soll, muss in der Gegenwart vorbereitet werden. Seit 2018 ehrt der Europäische Kulturpreis Menschen und Institutionen, die in die Zukunft investieren und damit ein wichtiger Teil des kulturellen Lebens sind. Nachhaltige Technologien sind essenziell für eine lebenswerte Zukunft. Diese Erkenntnis hat sich Nico Rosberg neben seiner erfolgreichen Rennfahrerkariere zu eigen gemacht. Mit seinem eigenen Team Rosberg – Extreme Racing (RXR) startete er in die Formel E. Als Mitbegründer des Greentech Festivals gibt er Innovationen eine Bühne, bringt Experten mit Startups zusammen. Den Anspruch, seinem Tun einen Sinn zu geben, hat er in einem Wort „Nachhaltigkeitsunternehmer“ zusammengefasst. Fürst Albert II. von Monaco der 2018 mit dem Europäischen Kulturpreis für Umweltschutz geehrt wurde, schickte Nico Rosberg dem Preisträger 2021 in dieser Kategorie eine Grußbotschaft. Die Laudatio am Abend hielt der bekannte Klimaforscher Johan Rockström.

Europäischer Förderpreis „Next Generation“ für das Digitale Klassenzimmer

Innovationen, Gründergeist und Neues zu wagen – darum ging es auch in diesem Jahr beim Wettbewerb des Europäischen Förderpreises „Next Generation“. Angesichts der Herausforderungen rund um den pandemiebedingten Fernunterricht wurden die besten Gründungen, Startups oder Projektinitiativen für das digitale Klassenzimmer 4.0 gesucht. Unter insgesamt 21 Bewerbungen aus ganz Europa wurde in der Bonner Oper das finnische Unternehmen „Curious Technologies“ aus Helsinki mit seinem Sprachroboter Elias ausgezeichnet. Das Startup um CEO Johanna Hemminki entwickelte ein interaktives Lernprogramm, mit dem die Schüler spielerisch Sprachen lernen können, indem sie Gespräche mit menschenähnlichen Robotern führen. Dank der Konzeption „Lernen durch Sprechen“ ist die Software nicht nur für Schulkinder geeignet, sondern kann auch in der Erwachsenenbildung, im Vorschulalter oder für Analphabeten eingesetzt werden.

Kultur als gemeinsamer Boden

Gerade in Krisenzeiten der einzigartigen Kulturlandschaft in Deutschland werden Partner immer wichtiger. Besonders erfreulich ist daher, dass trotz der Pandemie mit der Wiener HALLMANN HOLDING der Hauptsponsor und Präsentationspartner dem Europäischen Kulturpreises auch im zweiten Jahr die Treue hält. „Ludwig van Beethoven bezeichnete die Kunst als ein die Welt vereinigendes Mittel. Kultur verbindet, schafft Identität und gibt Kraft, auch in schwierigen Zeiten“, so Unternehmer und Investor Klemens Hallmann. „Auf diesem gemeinsamen Boden kann sich eine Gesellschaft zukunftsträchtig und lebensfroh weiterentwickeln. Daher ist es mir eine besondere Freude, den Europäischen Kulturpreis in Bonn zu präsentieren und als Hauptpartner einen Beitrag für den Erhalt und die Weiterentwicklung der europäischen Kulturlandschaft zu leisten.“

Kulturpreis mit Unterstützung der Beethoven Jubiläumsgesellschaft

„Es ist, als ob jeder Baum zu mir spräche“, schwärmte Beethoven bei seinen Aufenthalten auf dem Lande. In Zeiten, in denen Umwelt und Klimafragen aktueller sind denn je, beleuchtet auch die Beethoven Jubiläums GmbH das Verhältnis zwischen Menschen und Natur neu. Malte Boecker, Künstlerischer Geschäftsführer: „Das Jubiläum steht unter dem Motto: Beethoven neu entdecken! Dazu passt die Verleihung der Europäischen Kulturpreise in Bonn in besonderer Weise. Sie lenkt den Blick nicht nur auf Persönlichkeiten, sondern auch auf Initiativen, die sich gesellschaftlich für Nachhaltigkeit einbringen und dabei auch von Beethoven inspiriert sind.“